mehrWERT Demokratie ist ein politisches Bildungsprogramm in der Trägerschaft des Bayerischen Schullandheimwerks und der Bayerischen Akademie für Schullandheimpädagogik, das 2011 aus dem Wertebündnis Bayern hervorgegangen ist.
Gründungspartner waren die Bayerische Staatsregierung, der Bayerische Landtag, die Bayerische Sparkassenstiftung, der Bayerische Realschullehrerverband, der Bund der Vertriebenen Landesverband Bayern, der Kinderschutzbund Landesverband Bayern, die Katholische Erziehergemeinschaft Bayern, die Jugendfeuerwehr Bayern und der Landeselternverband Bayerischer Realschulen. Schirmherrin war bis 2022 (†) die Präsidentin des Bayerischen Landtags a. D. Barbara Stamm.
Wichtige thematische Eckpfeiler des Bildungsprogramms waren von Beginn an die Grundwerte und Merkmale einer Demokratie sowie das zivilgesellschaftliche und politische Engagement. Ebenso gehörten das Kennenlernen demokratischer Strukturen und Prozesse und die Auseinandersetzung mit Gefährdungen der Demokratie von vornherein zu den zentralen Inhalten. Zugleich zeigte sich, welche hervorragenden Möglichkeiten der Lernort Schullandheim auch für politische Bildung bietet. Bereits in den Anfangsjahren wurde damit ein hoher Qualitätsstandard gesetzt.
Gefördert und unterstützt vor allem vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, von der Bayerischen Staatskanzlei, vom Bayerischen Landtag, vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus und von der Stiftung Wertebündnis Bayern sowie von vielen weiteren Organisationen und Institutionen, wurde mehrWERT Demokratie in der Folgezeit kontinuierlich ausgebaut. Als Bildungsprogramm der demokratischen Mitte mit seinen aktuell 21 Themenschwerpunkten konnte sich mehrWERT Demokratie, auch aufgrund der professionellen Organisation und Durchführung der Kurse durch Valentum Politische Bildung, dauerhaft als notwendige Ergänzung zum vorherrschenden politischen Bildungsangebot etablieren.
Die Themenschwerpunkte lassen sich fünf Bereichen zuordnen:
- Werte, Haltungen und Grundprinzipien
- Funktionen, Strukturen und Prozesse
- Herausforderungen und Gefährdungen
- Zielgruppenspezifische Schwerpunkte
- Bayern im Dialog
Das Grundverständnis von mehrWERT Demokratie wird von Polaritäten wie Heimatbewusstsein und Weltoffenheit, Einheit und Vielfalt, Sicherheit und Freiheit, Rechtsordnung und Eigenverantwortung oder Wertebezug und Leistungsfähigkeit bestimmt. Sie sind für eine demokratische Gesellschaft konstitutiv, prägen unser Zusammenleben und Handeln auf allen Ebenen und in allen Bereichen. In ihrem wechselseitigen Verhältnis, ihrer scheinbaren Unvereinbarkeit müssen sie immer wieder neu austariert werden.
Zentrale Bedeutung haben die Förderung einer demokratischen Grundhaltung und die entschiedene Ablehnung von Extremismus, Antisemitismus, Nationalismus, Rassismus und Diskriminierung. Damit verbunden sind die Aufklärung über demokratische Strukturen und Prozesse und die Vermittlung wichtiger Kompetenzen wie der Fähigkeit zur Partizipation.
Alle Kurse und Veranstaltungen werden vom Dreiklang „Werte und Grundprinzipien“, „Herausforderungen und Gefährdungen“ und „Engagement und Partizipation“ getragen. Durch ein vertieftes Werteverständnis und die Einsicht, dass ein freiheitlicher Rechtsstaat keine Selbstverständlichkeit ist, wird der Grundstein gelegt für die Übernahme von Verantwortung und die Bereitschaft, sich für eine demokratische und leistungsstarke politische Ordnung einzusetzen.
Kennzeichnend für mehrWERT Demokratie ist
- der Anspruch, politische Bildung für jede und jeden zugänglich zu machen, ohne Belehrung „von oben“, sondern bestrebt, die Erwartungen, Interessen, Hoffnungen und Sorgen der Menschen ernst zu nehmen und ihre alltägliche Lebenswelt in die Bildungsarbeit einzubeziehen,
- die Orientierung an bildungs- und gesellschaftspolitischen Prämissen und die Kooperation mit staatlichen Einrichtungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen,
- ein breites Themenspektrum, das aufgrund neuer Entwicklungen und Erkenntnisse ständig aktualisiert, ergänzt und erweitert wird,
- eine enge Abstimmung mit den verantwortlichen Betreuerinnen und Betreuern, was die konkrete, an die spezifischen Voraussetzungen der Gruppen angepasste Kursgestaltung anbelangt,
- das Angebot an unterschiedlichen Formaten wie z. B. Workshops, Wochenkurse, Online-Seminare, Fortbildungen, Schulungen und Fachtage,
- die durch den Lernort Schullandheim begünstigte Intensität der Beschäftigung mit politischen Themen,
- die Förderung von Problembewusstsein, analytischen Fähigkeiten und Lösungsorientierung als Grundlage politischen Handelns,
- die Auffassung, dass politisches Denken und Handeln nicht nur rational, sondern auch emotional gesteuert wird,
- ein hohes Qualitätsniveau, das durch die laufende Überarbeitung der Konzepte und Module sowie die Evaluierung aller Kurse und Veranstaltungen gewährleistet wird.
Das Bildungsprogramm setzt besondere Akzente, indem es
- ideologischen Dogmatismus ablehnt, weil er im Widerspruch zu einer offenen Gesellschaft steht,
- die konservative und liberale Perspektive gleichermaßen berücksichtigt, weil nur eine breite demokratische Mitte Extremismus wirkungsvoll bekämpfen kann,
- die Balance zwischen Tradition und Innovation als grundlegend für die Stabilität und Weiterentwicklung eines politischen Systems ansieht,
- einem aufgeklärten Patriotismus und demokratischen Heimatbegriff große Bedeutung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt beimisst,
- dem Freiheitsprinzip das Prinzip der Sicherheit, durch das Freiheit erst ermöglicht wird, gleichwertig zuordnet,
- Identität und Vielfalt in den übergreifenden Zusammenhang eines gemeinsamen Werteverständnisses und der Funktionalität stellt,
- die Notwendigkeit ökonomischer Leistungsfähigkeit begründet, ohne die kein politisches System auf Dauer Bestand hätte,
- sich neben Rechtsextremismus, Islamismus und anderen verfassungsfeindlichen Aktivitäten auch mit Linksextremismus und linkem Antisemitismus intensiv befasst,
- die Frage der Legalität bzw. Illegalität von Engagement und Protest thematisiert, um Jugendliche vor Fehlverhalten zu schützen und dadurch zu stärken,
- „Zwischenstrukturen“ wie Vereine, Kirchen oder Unternehmen in den Blick nimmt, weil sie schicht- und milieuübergreifende Begegnungen ermöglichen,
- angesichts einer oft städtisch geprägten politischen Bildung den Realitäten und Lebensentwürfen im ländlichen Raum mehr Aufmerksamkeit widmet,
- direkte Kontakte junger Menschen mit Politikerinnen und Politikern fördert, um ein realistisches Bild von den Aufgaben und dem Arbeitsalltag dieser Berufsgruppe zu vermitteln,
- sich verstärkt mit Zielgruppen beschäftigt, die in der politischen Bildung bislang zu wenig Beachtung finden.
mehrWERT Demokratie wird von einem praxisorientierten Theorieverständnis geleitet. Der daraus resultierende wechselseitige Abstimmungsprozess zwischen Theorie und Praxis war und ist eine entscheidende Voraussetzung für den Erfolg des Bildungsprogramms.
In drei Abschnitten wird diese Entwicklung von den Anfängen bis zum heutigen Stand nachgezeichnet. Ausgangspunkt waren erste konzeptionelle Überlegungen und die Erarbeitung und Erprobung erster Kursmodelle. Neue inhaltliche, didaktische und zielgruppenspezifische Akzentsetzungen folgten in einer zweiten Phase. In einem dritten Schritt wurde verstärkt auf die Anforderungen einer offenen Gesellschaft in einer sich beschleunigenden Welt Bezug genommen, wurden diesbezügliche wissenschaftliche Erkenntnisse in die Konzeption von mehrWERT Demokratie eingebaut und in die praktische Umsetzung der Kurse und Veranstaltungen integriert.
Über den Wissenschafts- und Praxisbezug von mehrWERT Demokratie können Sie sich hier ausführlich informieren