Waldkraiburg im Nationalsozialismus

In Waldkraiburg kann man wie in einem Brennglas die großen historischen Abläufe der jüngeren Zeitgeschichte im Kleinen wiederfinden. Am Beispiel der Stadt und ihrer Umgebung erfahren die Schülerinnen und Schüler die konkreten Auswirkungen der nationalsozialistischen Herrschaft. In drei Gruppen besuchen sie authentische Erinnerungsorte des sogenannten „Dritten Reiches“. Wie menschenverachtend diese Diktatur war, wird bei diesen Erkundungen deutlich.

 

Kompetenzen

Die Schülerinnen und Schüler sammeln Kenntnisse über die NS-Ideologie und über die Verstöße gegen die Menschenwürde in der NS-Zeit. Weiterhin erhalten sie – auch anhand von Einzelschicksalen – Kenntnisse über das KZ-Außenlagersystem, die Rüstungsproduktion im Dritten Reich und das sogenannte Euthanasieprogramm. Die Jugendlichen lehnen die NS-Weltsicht ab und bekommen die Einsicht, welche Verbrechen in nicht-demokratischen Systemen entstehen können. Sie entwickeln Mitgefühl mit den Opfern der NS-Terrorherrschaft und akzeptieren das demokratische System als Gegenmodell zum totalitären Entwurf der NS-Zeit. In Hinblick auf methodische Aspekte verwerten die Schülerinnen und Schüler verschiedenste Informationen und analysieren kritisch ideologisch gefärbte Materialien. Darüber hinaus üben sie sich in Selbstorganisation und präsentieren ihre Arbeitsergebnisse in Form von Postern und Vorträgen im Plenum.

 

Ablauf

Die ersten 20 Minuten der Einheit dienen der Hinführung an das Thema. Anhand eines kurzen Filmausschnittes aus „Das Leben ist schön“ (ab Minute 55) werden die Jugendlichen an das Thema „Nationalsozialismus“ herangeführt. Anschließend folgt ein kurzes Gruppengespräch zur NS-Ideologie.

 

Danach werden die Schülerinnen und Schüler in drei Zufallsgruppen eingeteilt; bei kleineren Schülergruppen können auch nur zwei Gruppen gebildet werden (Dauer: ca. 10 Minuten).

 

Anschließend lautet das Motto: „Lernen vor Ort“: Die drei Gruppen fahren an verschiedene Erinnerungsorte in der Gegend um Waldkraiburg und erstellen Informationsplakate, die sie ihren Mitschülerinnen und Mitschülern am Ende des Tages präsentieren.

 

Das Thema der ersten Gruppe lautet „Zwangsarbeit im Pulverwerk“. Die Gruppe beschäftigt sich mit der Geschichte des Pulverwerkes, das an der Stelle stand, an der sich heute die Stadt Waldkraiburg befindet. Dazu fährt die Gruppe mit dem Stadtarchivar in den Stadtteil Föhrenwinkel, wo während der NS-Zeit Zwangsarbeiterinnen untergebracht waren. Vor Ort erhalten die Jugendlichen Informationen über die Lebens- und Arbeitsbedingungen dieser Menschen. Die Recherche der Jugendlichen geschieht zum Teil auch über Geocaching. Nach der Informationsphase in Föhrenwinkel erarbeiten sich die Jugendlichen weitere Informationen und erstellen informierende Plakate.

 

Die zweite Gruppe fährt zum ehemaligen KZ-Außenlager Mühldorf. Die Gruppe begibt sich in ein Waldgebiet in der Nähe von Waldkraiburg. Bei guter Witterung ist dies auch mit Fahrrädern möglich, die vom Schullandheim zur Verfügung gestellt werden. Mitten im Wald taucht dann unvermittelt ein riesiger Betonbogen aus dem Nichts auf – der letzte Überrest eines größenwahnsinnigen Rüstungsprojektes der NS-Diktatur. Gegen Kriegsende wollte man dort noch eine teilweise unterirdische Produktionshalle für das Düsenflugzeug Me 262 errichten. Aus diesem Grund gründeten die Nationalsozialisten ein KZ-Außenlager und zwangen die Häftlinge, Schwerstarbeit auf dieser Baustelle zu verrichten. Nach der Informationsphase im Bunkergelände erstellt die Schülergruppe ebenfalls Informationsplakate für die abschließende Präsentation am Abend.

 

Die dritte Schülergruppe eine Exkursion in die Stiftung Ecksberg, ein früheres Kloster, in dem Menschen mit Behinderung lebten. Die Nationalsozialisten sahen in den Menschen mit Behinderung, die in der damaligen „Heil-und Pflegeanstalt“ untergebracht wurden, „unwertes Leben“ – eine Bedrohung für die ideologischen Fantasien über den deutschen „Volkskörper“. Aus dieser Haltung heraus geschahen die nationalsozialistischen Morde an Menschen mit Behinderung. Heute stellt die Stiftung Ecksberg Einrichtungen und Dienste für Menschen mit Behinderung zur Verfügung. Die Jugendlichen lernen vor Ort eine Behindertenwohngruppe kennen und erhalten aus erster Hand Eindrücke in das Leben mit Behinderung. Sie erfahren, wie in einem demokratischen Staat die Förderung und Integration von Menschen mit Behinderung geleistet wird und welche Defizite auch in einer demokratischen Gesellschaft noch bestehen. Ihre Erkenntnisse halten die Schülerinnen und Schüler auf Informationsplakaten fest.

 

Am Ende des Tages folgt eine Präsentationsphase, in der sich die Jugendlichen gegenseitig ihre Plakate vorstellen und sich über die zum Teil sehr belastenden Eindrücke austauschen können.

 

Anschließend folgt die tägliche Einheit zum Thema „Grundrechte“, in der die Schülerinnen und Schüler die „Grundrechtewand“ erweitern können.

 

Hinweis: Bei der Durchführung der beschriebenen Module kann die Lehrkraft durch externe Experten unterstützt werden. Die Aufsicht und pädagogische Verantwortung bleiben bei den Lehrkräften.

 

Einen detaillierten Ablaufplan des Bausteins „Waldkraiburg im Nationalsozialismus“ finden Sie hier als PDF.

 

Weitere Materialien:

  • Für die Teilgruppe “Pulverwerk” erhalten Sie unter folgendem Link eine Anleitung zum Geocaching
  • Hier finden Sie die Anleitung für die Erstellung der Plakate

Als zusätzliche Materialien werden Klemmbretter und Plakate benötigt.