Grundlagen und Zielsetzung

Die Bedeutung und Auswirkung von Geschichte erfahren und verstehen

Eine Stadt als „Brennglas der Geschichte“: Die Historie der Stadt Waldkraiburg steht sowohl für die Verbrechen der NS-Diktatur als auch für den Erfolg der Demokratie. Der Wochenkurs „Zeitgeschichte“ bietet Jugendlichen ab der neunten Jahrgangsstufe Gelegenheit, sich intensiv mit der Vergangenheit zu beschäftigen, um daraus wertvolle Erkenntnisse für die Gegenwart zu ziehen. Dabei steht bewusst nicht die kognitive Wissensvermittlung im Vordergrund, sondern, dass Schülerinnen und Schüler den „Mehrwert“ der Aufarbeitung von Geschichte selbst erleben. Dies wird durch handlungsorientierte Gruppenarbeit, erlebnispädagogische Aktionen und vor allem auch durch die Begegnung mit Zeitzeugen ermöglicht. Indem sie sich mit dem unmenschlichen und totalitären System des Nationalsozialismus auseinandersetzen und das Schicksal von Millionen von Vertriebenen nachempfinden, erkennen die jungen Menschen, dass sich Demokratie lohnt – in einer weltoffenen, pluralen und toleranten Stadt wie Waldkraiburg, in der heute Menschen aus über 70 verschiedenen Nationen zusammenleben.

 

Aufbau des Kurses

Der Wochenkurs baut auf vier thematischen Schwerpunkten auf: Im Schwerpunkt „Demokratie erleben“ gilt es, Problemstellungen gemeinsam in der Gruppe zu lösen. In erlebnispädagogischen Übungen müssen die Schülerinnen und Schüler demokratische Entscheidungen treffen und aufeinander eingehen – anders sind die Aufgaben nicht zu bewältigen. So werden demokratische Handlungsweisen unmittelbar erlebt und eingeübt.

 

Im zweiten Schwerpunkt „Waldkraiburg im Nationalsozialismus“ besuchen die Jugendlichen Überreste bzw. Gedenkstätten aus der NS-Zeit, die die menschenverachtende Ideologie dieser Zeit verdeutlichen: das ehemalige Pulverwerk, in dem Munition für den Zweiten Weltkrieg gefertigt wurde, die frühere Heilanstalt Ecksberg, in der Menschen mit Behinderungen untergebracht waren und später im Rahmen des Euthanasieprogrammes ermordet wurden, und schließlich die Überreste eines Rüstungsprojektes, für das eigens ein KZ-Außenlager errichtet wurde. Die unmittelbare Begegnung mit der Vergangenheit schafft einen bleibenden Eindruck bei den Jugendlichen.

 

Der dritte Schwerpunkt befasst sich mit „Waldkraiburg und den Vertriebenen“. Die Stadt Waldkraiburg entstand aufgrund der gewaltigen Bevölkerungsverschiebungen nach dem Zweiten Weltkrieg. Zeitzeugen erinnern sich an ihre Erlebnisse während der Zeit von Flucht und Vertreibung und geben den Jugendlichen einen bewegenden Einblick in die Lebensumstände der damaligen Zeit. So wird die Geschichte für die Jugendlichen unmittelbar greifbar. Die Integration der Heimatvertriebenen bietet auch einen historischen Anknüpfungspunkt für den Umgang mit Migration in einer Demokratie.

 

Damit wird zum vierten Schwerpunktthema des Wochenkurses übergeleitet, bei dem es um das gegenwärtige Leben in der Stadt Waldkraiburg unter dem Gesichtspunkt „Integration und Inklusion statt Separation“ geht. Waldkraiburg ist heute Wohnort für Menschen aus verschiedensten Nationalitäten und ein Beispiel für eine aufgeschlossene, demokratische Gesellschaft. Dies wird auch am Umgang mit Menschen mit Behinderung deutlich, die in einer demokratischen Gesellschaft die Möglichkeit haben, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Auch hier schärft der Kontrast mit der Geschichte den Blick für die Gegenwart.

 

Ziele des Programms

Durch die Auseinandersetzung mit Zeitgeschichte will der Wochenkurs demokratische Werthaltungen bei jungen Menschen vertiefen und ihr Engagement für die Demokratie fördern. In dieser Woche erkennen die Schülerinnen und Schüler für sich: Demokratie ist wertvoll!

 

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