Menschenbild und Perspektivenwechsel II: Simulations-und Wahrnehmungsspiele

Mit dem gemeinsamen Filmabend wurde das Modul „Menschenbild und Perspektivenwechsel“ vorbereitet und die Schülerinnen und Schüler für die Belange von Menschen mit Behinderung sensibilisiert. Im folgenden Modul sind die Jugendlichen dazu eingeladen, durch die Selbsterfahrung von Einschränkungen wie Blindheit, Taubheit, Gehbehinderungen oder anderen Beeinträchtigungen Alltägliches überraschend neu zu erleben. Geht das – sich ohne Daumen die Schnürsenkel zu binden? Wie verändert sich der Blick auf die Welt durch eine Spezialbrille, die eine Sehbehinderung simuliert? Im Erlebnisparcours treten die Jugendlichen aus ihrer Alltagswelt heraus und machen neue, außergewöhnliche Erfahrungen. Durchgeführt wird der Erlebnisparcours von einer externen Anbieterin.

 

Kompetenzen

Die Schülerinnen und Schüler wechseln mit allen Sinnen die Perspektive: sie erleben und üben rezeptive Fertigkeiten und schärfen ihre Sinne auf taktiler, auditiver, visueller sowie olfaktorischer Ebene. Die Jugendlichen werden zur empathischen Perspektivenübernahme angeregt. Sie entwickeln Verständnis für Menschen mit Behinderung und bauen Ängste ab. Sie übernehmen Verantwortung für sich selbst und für andere.

 

Ablauf

Zum Einstieg begrüßen sich die Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen Handschuhen (weich, rau, glitschig, weich…). Das Fühlen und Erspüren der verschiedenen Materialien soll die Jugendlichen auf die nachfolgenden Übungen vorbereiten, die insbesondere auf die Wahrnehmung abzielen. Dann stellt die Trainerin das Thema und den Ablauf der Einheit im Plenum vor. Die Begrüßungsrunde dauert in der Regel ca. 10 Minuten.

 

Anschließend werden verschiedene Formen körperlicher Beeinträchtigungen simuliert. Zum Beispiel erfahren die Schülerinnen und Schüler, wie man sich trotz einer Sprachbehinderung – simuliert durch einen Korken im Mund –verständigen kann. Außerdem wird durch den Wechsel der Sprache während des Vortrags der Dozentin eine Aufmerksamkeitsstörung versinnbildlicht. Hier wechselt sich der Dozentenvortrag mit Partnerübungen der Schülerinnen und Schüler ab. (Dauer: ca. 20 Minuten).

 

Danach wird Blindheit simuliert: Hier arbeiten je zwei Jugendliche gemeinsam in Partnerarbeit. Einer der Jugendlichen lässt sich mit verbundenen Augen durch einen vorher gesteckten Parcours führen. So erleben sie, wie es sich anfühlt, sich durch den Raum zu bewegen, ohne etwas zu sehen. Dabei passt jeder auf den anderen auf. Am Ende des Parcours werden die Rollen getauscht. Dieser Abschnitt dauert ca. eine Viertelstunde.

 

Am Ende dieses ersten Blocks folgt eine Reflexionsphase im Plenum: hier werden die Erfahrungen und Eindrücke aus den Übungen gesammelt und diskutiert. Moderiert wird die Diskussion von der Leiterin. Danach werden die Schülerinnen und Schüler in Gruppen von vier bis fünf Personen für die weiteren Übungen eingeteilt. Wird das Projekt mit einer Kooperationsklasse durchgeführt, sollte pro Gruppe mindestens eine Schülerin oder ein Schüler mit Behinderung dabei sein. Für die Feedbackrunde und die Gruppeneinteilung sollten Sie ca. 15 Minuten einplanen.

 

Nach einer etwa halbstündigen Pause folgt die Stationenarbeit, die in der Regel eine volle Stunde dauert. Hier arbeiten jeweils zwei Schüler zusammen an einer Station. Die Jugendlichen erwarten vielfältige Aufgaben, die plötzlich nicht mehr so einfach gelöst werden können. Zum Beispiel können die Jugendlichen an einer „Geschmacksstation“ erproben, ob sie die unterschiedlichen Geschmacksrichtungen auch blind noch erkennen. Weiterhin gibt es noch einen Klangraum, eine SpürBAR (ein Dunkelraum), diverse Wahrnehmungsspiele sowie einen Rollstuhlparcours und verschiedene Bewegungsspiele, die den Lage-, Stellungs- und Richtungssinn auf die Probe stellen. So lernt man buchstäblich mit allen Sinnen!

 

Einen Abschluss findet die Einheit in einer gemeinsamen Reflexionsrunde, in der die Gruppen ihre Eindrücke und Erfahrungen vortragen und gemeinsam diskutieren. Hier erfolgt auch eine Rückführung zum Thema Menschenbild, den Grundwerten und der Verfassung.

 

Hinweis: Bei der Durchführung der beschriebenen Module kann die Lehrkraft durch externe Experten unterstützt werden. Die Aufsicht und pädagogische Verantwortung bleiben bei den Lehrkräften.

 

Einen detaillierten Ablaufplan des Bausteins „Menschenbild und Perspektivenwechsel II“ finden Sie hier als PDF.

 

Sämtliche Materialien werden von der externen Anbieterin mitgebracht und aufgebaut. Die Stationen können mit ihr individuell abgesprochen und auf die Bedürfnisse der Schüler abgestimmt werden. Die Arbeit an den Stationen und die Diskussion am Ende können ggf. länger dauern, wenn am Nachmittag die Inforalley durchgeführt wird. Sollte ein Besuch im Landtag geplant sein, empfiehlt es sich jedoch das Mittagessen frühzeitig anzusetzen, damit die Gruppe pünktlich im Landtag ankommt.
Die Kontaktdaten der externen Trainerin erhalten Sie über den zuständigen Ansprechpartner des Wochenkurses.